HEISSE TEMPERATUREN

Die Thermoregulation des Hundes

 

von FRANZISKA HELLING

Juni 2016

 

Wir Menschen freuen uns, sobald es draußen wärmer wird können wir endlich die dicken Winterjacken in den Keller und unsere Sommerkollektion in die Kleiderschränke räumen. Mit unserer Kleidung können wir uns den Temperaturen anpassen, wird es wärmer, ziehen wir kurze Sachen an, sinken die Temperaturen können wir schnell eine Jacke drüber ziehen. Doch wie sieht es bei unseren Hunden aus? Unsere treuen Vierbeiner können nicht mal eben schnell ihr Fell an- oder ausziehen ...

 

Unser Körper ist mit zahlreichen Schweißdrüsen ausgestattet. Die Ausschüttung von Schweiß sorgt bei uns Menschen für Verdunstungskälte auf der Haut. So können wir unsere Körpertemperatur regulieren und auch bei sehr warmen Außentemperaturen gut zurechtkommen.

Was viele Hundebesitzer nicht wissen ist, dass auch der Hund Schweißdrüsen besitzt. Allerdings zum ganzen Körper gesehen nur sehr, sehr wenige. Diese befinden sich lediglich an den Ballen der Pfoten. Auf glatten Fließen kann man daher manchmal die Abdrücke der Pfoten sehen, die durch den Schweiß entstehen. Doch nur allein mit den Schweißdrüsen kann ein Hund seinen Temperaturhaushalt nicht regulieren. Das Schwitzten über die Pfoten allein ist nicht ausreichend.

Die Hauptregulierung der Körpertemperatur findet über die Zunge statt.

Durch das Ausatmen über das Maul mit heraushängender Zunge, verdunstet der Speichel auf der Zunge. Dabei entsteht die gleiche Verdunstungskälte wie bei uns durch das Schwitzen. Wichtig bei der Regulierung ist die äußere Lufttemperatur. Diese muss kälter als die Körpertemperatur des Hundes sein. Denn der Hund kühlt sich nicht nur mit der Verdunstungskälte, sondern auch mit der eingeatmeten Luft durch die Nase ab. Unsere Vierbeiner atmen sozusagen kühle Luft ein, tauschen in der Lunge die Temperaturen, und atmen die wärmere Körpertemperatur wieder über das Maul aus.

Dieses Zusammenspiel beim Hecheln ist ein weit größerer Prozess der Temperaturregulierung als bei uns Menschen. Daher müssen wir unbedingt auf unsere Hunde achten. Wenn das Hecheln immer schneller wird, versucht der Hund immer stärker seine Temperatur zu regulieren und sich damit abzukühlen.

Verstärktes Hecheln bedeutet beim Hund in erster Linie eine verstärkte Kühlung des Körpers. Sollte dabei aber auch der Puls schneller werden und eine messbare erhöhte Körpertemperatur entstehen, dann schafft der Hund die Regulierung nicht mehr. Hier muss der Mensch seinem Hund helfen und versuchen ihn abzukühlen. Am besten ist dabei den Hund mit Wasser zu kühlen. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass der Hund nicht komplett mit Wasser begossen wird, sondern nur die Gliedmaßen. Kühlt man den Körper nämlich zu schnell runter, wirkt sich das negativ auf den Kreislauf und das Herz aus. Reicht die Wasserkühlung nicht aus, sollte auf direktem Weg ein Tierarzt aufgesucht werden, denn ein Hitzschlag kann tödlich sein.

 

Wie kann ich als Hundehalter meinen Vierbeiner unterstützten?

Als erstes sollte man seinen Hund kennen. Wenn man ihn stetig beobachtet und lernt wie er sich bei verschiedenen Witterungsverhältnissen verhält, sieht und merkt man sofort, wenn etwas nicht stimmt und der Hund nicht mehr mit den Temperaturen zurechtkommt.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollten im Sommer die Hauptaktivitäten nicht in die Mittagszeit, sondern in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden gelegt werden, wenn es kühler ist.

Wichtig bei Aktivitäten oder längeren Spaziergängen ist das Angebot von Wasser. Wenn man nicht die Möglichkeit hat an einem Gewässer entlang zu gehen, sollte man eine Flasche Wasser immer dabei haben und zwischendurch dem Hund zu Trinken anbieten.

Es gibt aber auch Aktivitäten wie Schwimmen, Surfen und Apportierspiele  im Wasser, die eine super Alternative zum regulären Hundesport darstellen. Auch bei diesen Sportarten wird der Hund körperlich und geistig ausgelastet.

Gerade bei Senioren ist es wichtig auf die richtige sportliche Aktivität zu achten und nur kurze Spaziergänge mit vielen Pausen zu machen. Denn gerade bei Senioren kann das Herzkreislaufsystem schnell versagen.

Aber nicht nur bei Senioren ist ein erhöhtes Risiko zu erwarten, auch bei erkrankten Hunden. Wenn das Immunsystem voll beschäftigt ist eine Infektion zu überstehen, kann die Wetterlage auch schnell auf den Kreislauf schlagen. Unsere Hunde sind keine Maschinen, die alles schnell wegstecken können. Wenn wir durch eine Erkältung geschwächt sind, würden wir auch keine großen Spaziergänge machen, sondern im Bett liegen bleiben. Schon allein das Aufstehen aus dem Bett schlägt manchem Menschen auf den Kreislauf. Unseren Hunden geht es ähnlich.

Aber nicht nur geschwächte Immunsysteme, sondern auch chronische Erkrankungen sind bei sehr warmen Wetterlagen zu beachten. Zum Beispiel Herzkranke Hunde, egal ob die Erkrankung mit dem Alter erworben wurde oder schon genetisch von Geburt an besteht. Dass es dann gerade bei hohen Temperaturen zu Herzaussetzer und Schwindel kommen kann, ist klar. Denn gerade diese Hunde haben ein anfälliges Kreislaufsystem und unser Kreislauf hält uns auf den Beinen. Kommt auf die Thermoregulierung noch eine hohe sportliche Leistung hinzu, kann dies schnell zu viel für den Kreislauf werden.

 

Auf keinen Fall sollte man den Hund vor einem Laden in der Sonne anbinden oder gar im Auto lassen. Diese Situationen können für unseren Vierbeiner tödlich sein.

 

Gerade im Auto ist es gefährlich. Auch wenn das Auto im Schatten steht kann es sich schnell erwärmen und zum Backofen werden. Passanten ist es erlaubt Autos aufzubrechen in denen sich Hunde befinden, die bereits Symptome eines Hitzschlages aufweisen. Ansonsten ist es anzuraten die Polizei zu benachrichtigen. Diese können den Halter des Autos ermitteln und somit den Hund retten. Gerade im Auto steigt die Temperatur schnell und wird wärmer als die Körpertemperatur des Hundes. Sobald diese Temperaturgrenze erreicht ist, kann sich der Hund nicht mehr selber regulieren. Jedes Hecheln macht alles nur noch schlimmer, denn der Hund wärmt sich dadurch immer weiter auf, anstatt sich damit runter zu kühlen. Wird dem Hund dann nicht schnell geholfen, leidet er einen qualvollen Tod.

Manche Menschen lassen daher das Fell ihres Hundes Trimmen. Hierbei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass das Fell den Körper nicht nur wärmt, sondern auch vor UV-Strahlung und Insekten schützt. Daher ist ein Kahlschnitt eher unangemessen für den Sommer.

Sinnvoll für alle Rassen ist das Bürsten und Kämmen. Hunde mit viel Unterwolle profitieren davon am meisten. Wenn man das Fell regelmäßig mehrmals die Woche ausbürstet kann man das Wohlbefinden der Hund deutlich erkennen.

Auch das Haaren in der Wohnung wird weniger. Sollte Ihr Hund einen unangenehmen Körpergeruch von sich geben, ist das nicht durch Schweiß entstanden, was manche Menschen denken, sondern durch Bakterien auf der Haut. Auf jeder Haut befindet sich eine Flora aus verschiedenen Bakterien. Diese sind nicht schädlich, sondern bilden eine Schutzschicht und halten die Haut gesund. Gerade Hunde mit viel Unterwolle oder dichtem langen Fell, die gerne zum Abkühlen ins Wasser gehen, gerät die Haut Flora aus dem Gleichgewicht. Dabei vermehren sich Bakterien, die sich auf der nassfeuchten Haut bei warmen Temperaturen ohne frischen Sauerstoff am wohlsten fühlen. Die anderen Bakterien werden verdrängt. Je mehr Bakterien sich auf diese Weise bilden, umso stärker ist der  unangenehme Geruch. Die Haut des Hundes juckt, wird wund und ehe man es unter dem dichten Fell bemerkt, entsteht eine Dermatitis (Hautentzündung). Kämmen und Bürsten dient also nicht nur zum Wohlergehen des Hundes, sondern auch als Prophylaxe und Kontrolle.

 

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