MARKIERVERHALTEN

Instant Messaging für Hunde

 

von MARTIN GRANDT

Juni 2016

 

Schnuppern, schnüffeln, in Position bringen und „Wasser marsch!“ – Markierverhalten ist sicher eines der liebsten Hobbys der meisten Hunde. Aber um was geht es da eigentlich, was drücken Hunde aus, und was ist die Intension, die Hunde zu diesem Verhalten bewegt?

 

Die freilebenden Vorfahren unserer Vierbeiner nutzen das Markieren als deutliches Signal zur Begrenzung des eigenen Reviers. Durch die Markierungen wird unmissverständlich Mitgeteilt: „STOPP – fremdes Territorium – Betreten verboten!“ und somit werden aggressive Auseinandersetzungen, insbesondere während der Aufzucht der Welpen, minimiert und notwendige Nahrungsressourcen gesichert. Der große Vorteil dieser Markierungen liegt auf der Hand, Duftmarken aus Kot und Urin benötigen nicht die Anwesenheit des Absenders, um die Botschaft zu überbringen, zudem sind sie für fremde Wölfe über Tage hinweg wahrzunehmen. Im Wolfsrudel markieren ausschließlich die ranghohen Tiere und platzieren ihre Duftmarken in auffälligen Positionen auf Wegkreuzungen oder auch an Erhöhungen, wie beispielsweise Pflanzen oder Steinen.

 

Das Markierverhalten unserer Hunde unterscheidet sich sehr deutlich zu dem zuvor beschriebenen Verhalten. Hunde Markieren und Übermarkieren viel häufiger und zumeist wahllos. Außerdem ist das Markierverhalten unserer Haushunde unabhängig von Alter, Geschlecht oder Rang, und auch ob ein Hund kastriert oder intakt ist, hat keinen besonderen Einfluss auf das Markierverhalten. Außerdem findet die Kotabgabe von Hunden nicht selten eher im versteckten, abseits von Wegen oder Kreuzungen statt. In einer Studie von Charles Snowdon, Ph.D., an der University of Wisconsin zeigten sich geschlechtsunabhängige regelmäßige Markierungsstellen, sowie das intensive Untersuchen und Übermarkieren derselben. Zudem stellten die Teilnehmer der Studie fest, dass die Rutenposition der Hunde direkten Einfluss auf das Markier- und Übermarkierverhalten haben. So zeigte sich, dass Hunde mit einer hohen Rutenposition häufiger markieren, bzw. übermarkieren als Hunde mit niedrigerer Rutenhaltung. Auch wenn die hündischen Duftmarken für uns Menschen zumeist lediglich streng riechen, sind darin doch viele Informationen für spätere hündische Passanten enthalten. Doch welches sind die Informationen, die Hunde in der Markierung aufnehmen?

 

Für Hunde geht aus den Markierungen hervor, welches Geschlecht der Sender hat, in welchem Status des Zyklus sich eine Hündin befindet, ob ein Hund kastriert oder unkastriert ist, oder wie der Gesundheitszustand des Senders war. Außerdem erkennen Hunde auch ihre Bekannten an den Duftmarken.

 

Neben Inhaltsstoffe wie Wasser, Harnsäure usw. enthält der Urin auch Pheromone. Diese Botenstoffe geben konkrete Informationen zum emotionalen Zustand und werden insbesondere durch das Jacobsonsche Organ (Vomeronasalorgan), ein bei vielen Wirbeltieren ausgebildetes Geruchsorgan, das wie die Riechschleimhaut dem olfaktorischen System zugeordnet wird, und eine Verbindung vom Gaumen zur Nase darstellt, aufgenommen und verarbeitet. Und genau diese aufgenommenen Informationen werden dann durch Übermarkieren kommentiert. Die Menge des abgegebenen Urins wird dabei penibel und kontrolliert eingesetzt, um auch weitere Markierungen kommentieren zu können. Hier zeigt sich, dass das Markierverhalten der Hunde weniger der Revierbegrenzung dient, als vielmehr einer sozialen Interaktion. Bekannt ist zudem, dass Hunde, die sich gut kennen, sehr häufig gegenseitig über ihre Hinterlassenschaften urinieren. Diese Verhalten zeigt keineswegs Dominanzgebaren, sondern trägt bewusst zu einer Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls bei.

 

Im Übrigen heben nicht selten auch Hündinnen ihr Bein zum Urinieren. Dieses Verhalten findet seinen Ursprung bereits bei der Lage der Embryonen im Gebärmutterhals. Bereits vor der Geburt wird das männliche Sexualhormon Testosteron ausgeschüttet. Weibliche Embryonen, die zwischen männlichen Geschwistern liegen, erhalten hier oft eine erhöhte Dosis, die sich dann im Hundeleben auf das Verhalten auswirkt, unter anderem eben beispielsweise beim Markierverhalten.

 

Zu guter Letzt sei angemerkt, dass kleine Hunde oft mit besonders hoch erhobenem Bein oder sogar im Handstand urinieren. Das soll nachfolgenden Hunden eine größere Körpergröße suggerieren.

 

Alles in allem steckt im hündischen Markieren und Übermarkieren deutlich mehr als nur das banale Urinieren, also lasst euren Hunden diese wunderbare Möglichkeit der Kommunikation!

 

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