SICHERHEIT IM TRAINING

Maulkörbe im Vergleich

 

von ANTONIA ZÖLLER

Juni 2016

 

Als Hundeverhaltenstherapeut treffen wir manchmal auf arme Hundeseelen, die so viel Schmerz und Leid in ihrem bisherigen Leben erfahren haben, dass sie gelernt haben, Angriff ist die beste Verteidigung.  Doch was tun, wenn ein Hund erst einmal gelernt hat, dass er mit Beißen Erfolg hat? Und was, wenn er hierbei auch nicht den Zweibeiner am anderen Ende der Leine verschont?

 

Hier ist viel Feingefühl und jede Menge Training notwendig. Doch um dem Hund ein Alternativverhalten anbieten zu können und ein Umlernen zu ermöglichen, müssen wir ihm zunächst eine aktuelle Erfolgsstrategie nehmen. Hierfür brauchen wir einen Maulkorb, doch welchen?

 

Das Angebot der Hilfsmittel in diesem Bereich ist riesig, doch nicht jedes scheint geeignet. Deshalb wollen wir uns zunächst betrachten, welche Anforderungen wir an einen Maulkorb stellen.

 

Anforderungen an  Maulkorb,

Maulschlinge und CO.:

In aller erster Linie soll er verhindern, dass der Hund irgendein Lebewesen, sei es einen Artgenossen oder einen Menschen verletzen kann. Hierfür ist es besonders wichtig, dass der Hund den Maulkorb nicht selbstständig abstreifen kann. Ein weiteres Kriterium ist, dass das ausgewählte Hilfsmittel nicht scheuert, kratzt oder reibt. Hier gilt es auch auf die Nervenaustritte an der Nase zu achten, damit es zu keiner negativen Verknüpfung mit dem Maulkorb kommt. Das wäre kontraproduktiv.

Ein weiterer Aspekt, der nicht vernachlässigt werden darf, ist dass es dem Hund möglich sein muss, zu hecheln. Gerade an heißen Sommertagen ist dies extrem wichtig.

Ebenso ist es wünschenswert, wenn der Hund in der Lage wäre, zu trinken. Hierauf kann aber im Notfall auch durch Organisation verzichtet werden.

 

Was aber für die Verhaltenstherapie unabdingbar ist, ist dass die hündische Kommunikation möglichst wenig beeinträchtigt wird.

 

Ein Hund, der nicht den Nasenrücken runzeln oder die Zähne fletschen kann, ist in seiner Kommunikation mit anderen Hunden so wie auch mit uns Menschen stark eingeschränkt. Verhaltenstherapeutisch ist dieses Hilfsmittel dann wenig hilfreich. Ebenso, wenn es keine Belohnung mittels Futter zulässt. Betrachten wir uns nun einmal ein paar Angebote, die es auf dem Markt gibt und gleichen sie mit unseren Anforderungen ab:

 

Nylonmaulkorb

Ein Nylonmaulkorb verhindert, dass der Hund hecheln oder trinken kann, was bei längerem Tragen lebensbedrohlich ist. Hinzukommend wird die innerartlich Kommunikation stark eingeschränkt, da der Fang fast komplett bedeckt ist.

Außerdem bietet er viele Angriffs- und Reibepunkte. Somit ist er trotz Beißschutz relativ ungeeignet.

Marlas Fazit: Einfach nur schlimm und

total einengend. Nicht empfehlenswert.

 

Maulschlaufe

Die Maulschleife sieht elegant aus und bietet die Möglichkeit auch die Fanggröße zu verstellen. Dadurch kann man wählen, ob man den Hund hecheln, trinken und kommunizieren lässt oder eben nicht. Räumt man dem Hund diese Freiräume ein, ist der Beißschutz nicht mehr gewährleistet. Verwendet man ihn als Maulkorb weißt er die gleichen Nachteile auf wie der Nylonmaulkorb.

Marlas Fazit: Ein bisschen besser aber trotzdem eher unangenehm.

 

Plastikmaulkorb

Der Plastikmaulkorb bietet den Vorteil, dass der Hund relativ viel Bewegungsfreiheit hat im Vergleich zu den beiden vorherigen Modellen. Hecheln ist hier kein Problem. Allerdings ist die Wasser- sowie die Leckerlieaufnahme durch einen doppelten Boden weitestgehend verhindert. Belohnung mittels Futter ist somit nicht möglich. Positiv ist jedoch, dass die Kommunikaton nur leicht eingeschränkt wird.

Kiras Fazit: Prinzipiell okay aber ohne Belohnung ist doof.

 

Ledermaulkorb

Je nachdem wie der Ledermaulkorb gestaltet ist bietet er die Möglichkeit zu Hecheln und zu Trinken und kann somit auch die Belohnung mittels Leckerli ermöglichen (siehe Foto). Letzteres ist allerdings bei Gitterledermaulkörben nicht möglich. Zudem weißt dieses Modell keinen 100%-igen Beissschutz auf.

Anders ist dies bei der Becherform. Hier ist zwar der Beisschutz gewährleistet, jedoch ist dann auch die Kommunikation wieder sehr stark eingeschränkt. Hinzukommend ist der Leder-und Gerbgeruch nicht unbedingt angenehm für unsere Fallnasen.

Bastis Fazit: Viel zu groß und somit ausreichend Platz für große Leckerlie. Damit kann ich leben.

 

Metallgitterkorb

Der Metallgitterkorb weißt ein relativ hohes Gewicht, auf weshalb er sich eher für große Hunde eignet. Er bietet viel Bewegungsfreiraum und ermöglicht es so dem Hund zu hecheln, Leckerlie aufzunehmen und viel wichtiger noch, zu kommunizieren. Außerdem gewährleistet er einen 100%-igen Beissschutz.

Aber auch er hat seine Nachteile. Manche Modelle können den Hund sehr stark im Sichtbereich einschränken (siehe Foto). Zudem werden sie im Winter sehr kalt und reflektieren die Sonnenstrahlen.

Marlas Fazit: Von allen Maulkörben war dieser am angenehmsten und hat mich am wenigsten eingeschränkt.

 

Biothanemaulkorb

Dieses Modell ist ähnlich wie der Ledermaulkorb nur aus anderem Material. Er ist zwar recht leicht und somit angenehmer zu tragen als der Metallgittermaulkorb, allerdings ist auch hier wieder die Leckerlizufuhr  ähnlich dem Ledermaulkorb eher schwer zu organisieren auch wenn die Kommunikation nur wenig eingeschränkt wird.

 

Mein Favorit ist ganz klar der Metallmaulkorb, weil unsere Hunde hiermit am wenigsten Stress hatten.

 

Natürlich ist jeder Hund verschieden, und auch die Gewöhnung spielt eine große Rolle, aber der Freiraum, den der Metallmaulkorb bietet war für unsere am angenehmsten zu ertragen.

Vielleicht einfach mal selbst testen, denn man weiß nie, welcher Kunde als nächstes an der Tür klingelt.

Und in manchen Bundesländern (Berlin, Bayern und Brandenburg) kann es einem auch passieren, dass man mit Hunden ohne Maulkorb keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen darf, egal ob Chiwawa oder Riesenschnauzer.

 

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